Sanierungsfahrplan: Mit dem iSFP die energetische Sanierung richtig planen
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Tobias Beuler
- April 14, 2026
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Wer ein älteres Haus besitzt, steht früher oder später vor der Frage, welche Sanierungsmaßnahmen sinnvoll sind – und vor allem: in welcher Reihenfolge. Einzelne Maßnahmen ohne Gesamtkonzept umzusetzen, kostet oft mehr Geld als nötig und führt häufig zu technischen Fehlern, die erst Jahre später auffallen. Der individuelle Sanierungsfahrplan, kurz iSFP, schafft hier Abhilfe: Er liefert einen strukturierten, gebäudespezifischen Plan, der alle sinnvollen Maßnahmen zeitlich und finanziell aufeinander abstimmt.
Für Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern, aber auch für Besitzer größerer Wohngebäude, ist der iSFP seit Jahren das wichtigste Planungsinstrument im Bereich energetische Sanierung. Die staatliche Förderung macht seine Erstellung zudem erschwinglich – in vielen Fällen werden bis zu 80 Prozent der Beratungskosten übernommen.
Dieser Ratgeber erklärt, was ein Sanierungsfahrplan konkret enthält, wie die Erstellung abläuft, welche Förderungen verfügbar sind und für wen sich das Instrument besonders lohnt.
Schnelleinstieg: Die wichtigsten Punkte
Individueller Planungsrahmen: Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist ein maßgeschneiderter Energieberatungsbericht, der sämtliche sinnvollen Sanierungsmaßnahmen für ein Gebäude beschreibt und in eine logische Reihenfolge bringt.
Nur Fachleute zugelassen: Er wird ausschließlich von zugelassenen Energieberaterinnen und Energieberatern erstellt, die auf der Energieeffizienz-Expertenliste eingetragen sind.
Kosten gut förderbar: Die Erstellungskosten liegen typischerweise zwischen 1.000 und 2.000 Euro, werden aber durch die BAFA mit bis zu 80 Prozent bezuschusst.
iSFP-Bonus sichern: Wer Einzelmaßnahmen auf Basis eines iSFP umsetzt, erhält bei geförderten Maßnahmen über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) einen zusätzlichen Bonus von 5 Prozentpunkten.
Keine gesetzliche Pflicht: Ein Sanierungsfahrplan ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, hilft aber dabei, die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) kosteneffizient zu erfüllen.
Was ist ein Sanierungsfahrplan?
Ein Sanierungsfahrplan ist ein individuell erstelltes Beratungsdokument, das den energetischen Zustand eines Gebäudes analysiert und daraus konkrete Sanierungsschritte ableitet. Kernstück ist eine Maßnahmenplanung, die nicht nur einzelne Eingriffe beschreibt, sondern diese auch in eine sinnvolle zeitliche Abfolge bringt – mit Blick auf technische Abhängigkeiten, Kosten und maximal erreichbare Effizienz.
Der Begriff „individueller Sanierungsfahrplan“ (iSFP) ist dabei kein allgemeines Buzzword, sondern ein klar definiertes Beratungsprodukt, das von der Deutschen Energie-Agentur (dena) entwickelt wurde und bestimmten Qualitätsstandards entsprechen muss. Nur Energieberaterinnen und Energieberater, die auf der Energieeffizienz-Expertenliste eingetragen sind, dürfen einen förderfähigen iSFP ausstellen.
Was unterscheidet den iSFP von einer normalen Energieberatung?
Eine klassische Energieberatung liefert eine Momentaufnahme: Sie zeigt, wo Energie verloren geht und welche Maßnahmen grundsätzlich infrage kommen. Der iSFP geht deutlich weiter. Er enthält einen konkreten Umsetzungsplan mit priorisierten Maßnahmen, Kostenschätzungen und einem Zeitplan über mehrere Jahre oder Jahrzehnte. Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist dabei eine auf Sie zugeschnittene Strategie, um Ihr Gebäude im Rahmen einer Schritt-für-Schritt-Sanierung systematisch und nachhaltig zu modernisieren.
Der entscheidende Unterschied liegt außerdem in der Förderfähigkeit: Nur der iSFP löst den sogenannten iSFP-Bonus aus, der bei späteren Einzelmaßnahmen zusätzliche Fördergelder bringt. Eine gewöhnliche Energieberatung – auch wenn sie hochwertig ist – erfüllt diese Funktion nicht.
Was beinhaltet ein individueller Sanierungsfahrplan konkret?
Der iSFP gliedert sich in mehrere Bestandteile, die gemeinsam ein vollständiges Bild der Sanierungssituation ergeben. Eigentümerinnen und Eigentümer erhalten das Dokument in einem strukturierten Format, das auch ohne technisches Vorwissen gut lesbar ist – aufbereitet nach dem einheitlichen Standard der dena-Druckapplikation. Der iSFP bietet eine übersichtliche Darstellung der geplanten Maßnahmen sowie deren zeitliche und finanzielle Planung. Die verschiedenen Themenbereiche wie Energieeffizienz, Förderung, Gebäudebeschreibung und Sanierungsthemen werden klar gegliedert behandelt. Die Ergebnisse des iSFP bilden die Grundlage für die Sanierungskonzepte und werden verständlich visualisiert, um Eigentümer bei der geplanten Sanierung optimal zu unterstützen.
Analyse des Ist-Zustands
Der Energieberater erfasst den aktuellen energetischen Zustand des Gebäudes: Dämmung von Dach, Fassade und Keller, Zustand der Fenster, Heizungsanlage, Lüftung und Anlagentechnik, wobei insbesondere auch die vorhandene Heizungstechnik bewertet wird. Im Rahmen der Analyse werden zudem die bisherigen Energiekosten betrachtet, um Einsparpotenziale gezielt zu identifizieren. Auf dieser Grundlage wird der aktuelle Energiebedarf berechnet und den relevanten Vergleichswerten gegenübergestellt. Aus dem Ist-Zustand werden anschließend die Schwachstellen identifiziert – und die möglichen Einsparpotenziale bei Heizenergie und CO₂-Emissionen beziffert.
Maßnahmenplanung und Sanierungsschritte
Jede sinnvolle Sanierungsmaßnahme wird detailliert beschrieben – von der Fassadendämmung über den Heizungstausch bis zur Solaranlage. Geplante Modernisierungsmaßnahmen werden dabei als Teil der Maßnahmenplanung strukturiert dargestellt, um die Energieeffizienz und den Wert des Gebäudes nachhaltig zu steigern. Dazu gehören Empfehlungen zur Ausführung sowie Hinweise auf mögliche Förderprogramme. Zentrales Element des iSFP ist die Priorisierung dieser Maßnahmen: Sie zeigt, welche Eingriffe zuerst sinnvoll sind – typischerweise die Gebäudehülle, bevor die Anlagentechnik modernisiert wird – und welche Schritte aufeinander aufbauen. Der individuelle Sanierungsfahrplan unterstützt Eigentümer gezielt dabei, ihr Gebäude Schritt für Schritt effizient zu sanieren.
Kostenschätzung und Zielbild
Für jede Maßnahme enthält der Fahrplan eine Schätzung der voraussichtlichen Investitionskosten sowie eine Gegenüberstellung mit den zu erwartenden Energiekosteneinsparungen. Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) enthält zudem geschätzte Kosten für die vorgeschlagenen Effizienzmaßnahmen, die auf Erfahrungswerten basieren. Die Umsetzung dieser Maßnahmen trägt dazu bei, sich gegen steigende Energiepreise abzusichern und langfristig Kosten zu reduzieren. Darüber hinaus zeigt der iSFP, welcher Energiestandard durch die Gesamtheit der Maßnahmen erreichbar wäre – etwa Effizienzhaus 85, 70 oder 55 – und was dies an Betriebskosten und Fördersummen bedeutet. Fördergeld aus staatlichen Programmen, wie beispielsweise der BAFA-Förderung, kann dabei helfen, die Kosten für Energieberatung und Sanierungsmaßnahmen zu finanzieren.
Warum ist ein Sanierungsfahrplan sinnvoll?
Ein iSFP schützt vor teuren Fehlentscheidungen, schafft finanzielle Planungssicherheit und erschließt Förderpotenziale, die ohne dieses Instrument nicht zugänglich wären. Darüber hinaus trägt der iSFP maßgeblich dazu bei, ein optimales Sanierungsergebnis zu erzielen, indem er die Qualitätssicherung bei ganzheitlichen Sanierungsmaßnahmen unterstützt. Für Eigentümer, die eine schrittweise Sanierung über mehrere Jahre anstreben, ist er das wichtigste Steuerungsinstrument.
Überblick statt Stückwerk
Ohne Gesamtplanung werden Sanierungsmaßnahmen oft in der falschen Reihenfolge umgesetzt. Ein typischer Fehler: Wer zuerst eine neue Heizung einbaut und danach die Gebäudehülle dämmt, hat unter Umständen eine zu groß dimensionierte Anlage gekauft – denn nach der Dämmung sinkt der Wärmebedarf erheblich. Der iSFP verhindert solche teuren Fehler, indem er die Wechselwirkungen zwischen Maßnahmen berücksichtigt.
Planungssicherheit über Jahre
Nicht jeder Eigentümer kann oder will alle Maßnahmen auf einmal umsetzen. Der iSFP erlaubt eine schrittweise Sanierung über mehrere Jahre, ohne dass spätere Maßnahmen durch frühere blockiert oder verteuert werden. Das gibt finanzielle Planungssicherheit – besonders für Eigentümer mit begrenztem Budget.
Zugang zu höheren Förderungen
Der iSFP ist nicht nur ein Planungsdokument, sondern auch ein Förderinstrument. Wer geförderte Einzelmaßnahmen über die BEG Einzelmaßnahmen (BEG EM) mit einem gültigen iSFP kombiniert, erhält den iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten zusätzlich auf die reguläre Förderquote. Bei einer Maßnahme im Wert von 30.000 Euro macht das 1.500 Euro zusätzliche Förderung – allein durch die Vorlage des Fahrplans.
Steigerung des Immobilienwerts
Ein saniertes Gebäude mit nachweislich hoher Energieeffizienz ist am Markt mehr wert. Der iSFP liefert eine dokumentierte Grundlage für künftige Transaktionen, Finanzierungen und Mietfragen. Für Vermieter ist das besonders relevant: Ein schlechter Energieausweis kann mittelfristig zu eingeschränkten Vermietungsmöglichkeiten führen.
Was kostet ein Sanierungsfahrplan?
Die Erstellung eines iSFP ist eine Investition – aber eine, die sich durch Förderung und den späteren iSFP-Bonus in der Regel rasch amortisiert. Für die meisten Eigentümer von Einfamilienhäusern bleibt nach Abzug der BAFA-Förderung ein überschaubarer Eigenanteil.
Typische Kosten für die Erstellung
Die Kosten für einen individuellen Sanierungsfahrplan hängen von mehreren Faktoren ab: der Größe des Gebäudes, seiner Komplexität (Baujahr, Zustand, Anzahl der Wohneinheiten) und dem Aufwand des Energieberaters. Für ein typisches Einfamilienhaus sind Kosten zwischen 1.000 und 1.600 Euro brutto realistisch. Bei Zweifamilienhäusern oder größeren Wohngebäuden fallen die Kosten entsprechend höher aus.
| Gebäudetyp | Typische Gesamtkosten (brutto) |
| Einfamilienhaus | 1.000 – 1.600 € |
| Zweifamilienhaus | 1.400 – 2.000 € |
| Mehrfamilienhaus (3–6 WE) | 1.800 – 2.800 € |
| Größere Wohngebäude | Individuell, auf Anfrage |
Die Angaben sind Richtwerte. Regionale Unterschiede und der individuelle Beratungsaufwand können zu Abweichungen führen.
Förderung durch die BAFA
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert die Erstellung eines iSFP im Rahmen der Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude (BEW) mit bis zu 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten. Für Ein- und Zweifamilienhäuser liegt der maximale Zuschuss bei 1.300 Euro, für Gebäude ab drei Wohneinheiten bei 1.700 Euro. Einkommensschwache Haushalte können einen zusätzlichen Zuschlag von bis zu 500 Euro erhalten.
Voraussetzung ist, dass der Energieberater auf der Energieeffizienz-Expertenliste eingetragen ist und der iSFP nach den Vorgaben der dena erstellt wird. Der Antrag wird nach Abschluss der Beratung beim BAFA eingereicht. Fördersätze und Konditionen können sich ändern – aktuelle Informationen sind direkt beim BAFA abrufbar.
Der iSFP-Bonus bei Einzelmaßnahmen
Ein oft unterschätzter finanzieller Vorteil liegt im sogenannten iSFP-Bonus. Wer eine förderfähige Einzelmaßnahme über die BEG Einzelmaßnahmen umsetzt und dabei einen gültigen iSFP vorlegen kann, erhält automatisch 5 Prozentpunkte Zusatzförderung – auf alle förderfähigen Maßnahmen, von der Dämmung bis zum Heizungstausch.
Tobias Beuler, Sanierungsexperte und Betreiber von sanierungsexperte.net, betont: „Der iSFP-Bonus allein kann die Kosten der Beratung mehr als ausgleichen – schon bei einer einzigen größeren Sanierungsmaßnahme.“
Wie läuft die Erstellung eines Sanierungsfahrplans ab?
Von der Kontaktaufnahme mit dem Energieberater bis zur Übergabe des fertigen iSFP vergehen in der Regel vier bis acht Wochen. Der Prozess ist klar strukturiert und für Eigentümer mit überschaubarem Aufwand verbunden – die eigentliche Arbeit liegt beim Berater. Architekten spielen dabei eine zentrale Rolle bei der Planung und Durchführung energetischer Sanierungen und unterstützen insbesondere bei der Vor-Ort-Besichtigung sowie der Maßnahmenplanung im Rahmen des Sanierungsfahrplans. Sowohl Beraterinnen als auch Experten aus der Energieberatung begleiten den Prozess und bieten individuelle sowie professionelle Unterstützung. Die Energieberatung und die Erstellung des individuellen Sanierungsfahrplans dürfen ausschließlich von anerkannten Expertinnen durchgeführt werden, die auf der Energieberaterliste gelistet sind.
Schritt 1: Energieberater suchen und Termin vereinbaren
Der erste Schritt ist die Auswahl eines zugelassenen Energieberaters über die Energieeffizienz-Expertenliste. Im Erstgespräch werden Gebäudeart, Baujahr, bisherige Maßnahmen und die Ziele der Eigentümer besprochen, anschließend ein Vor-Ort-Termin vereinbart.
Schritt 2: Vor-Ort-Begehung und Datenaufnahme
Der Energieberater besichtigt das Gebäude und nimmt alle relevanten Daten auf: Wand- und Dachaufbau, Kellerdeckendämmung, Fensterqualität, Heizungsanlage, Warmwasserbereitung und Lüftungssituation. Für die Bestandsaufnahme helfen folgende Unterlagen:
Baupläne und Grundrisse (falls vorhanden)
Bestehender Energieausweis
Heizkostenabrechnungen der letzten zwei bis drei Jahre
Informationen zu früheren Sanierungsmaßnahmen
Technische Datenblätter der Heizungsanlage
Schritt 3: Auswertung und Übergabe des iSFP
Der Energieberater erstellt auf Basis der erhobenen Daten eine energetische Berechnung, entwickelt Sanierungsszenarien und formuliert die Maßnahmenempfehlungen. Das fertige Dokument wird in der iSFP-Druckapplikation der dena erstellt und dem Eigentümer in einem abschließenden Gespräch übergeben – in der Regel als gedrucktes Heft und in digitaler Form.
Welche Maßnahmen enthält ein Sanierungsfahrplan?
Ein iSFP für ein typisches Einfamilienhaus aus den 1970er oder 1980er Jahren enthält eine Reihe von Maßnahmenbereichen, die in ihrer Gesamtheit den Weg von einem schlecht gedämmten Altbau zu einem modernen Effizienzgebäude beschreiben. Welche Maßnahmen konkret empfohlen werden, hängt immer vom individuellen Gebäudezustand ab.
Typische Maßnahmenbereiche und ihre Wirkung
| Maßnahme | Typische Energieeinsparung | Relevanz |
| Außenwanddämmung (WDVS oder Kerndämmung) | 15–25 % | Hoch |
| Dachdämmung / oberste Geschossdecke | 10–20 % | Hoch |
| Kellerdeckendämmung | 5–10 % | Mittel |
| Fenstererneuerung (Dreifachverglasung) | 10–15 % | Mittel bis hoch |
| Heizungstausch (z. B. Wärmepumpe, Pellets) | 20–50 % | Sehr hoch |
| Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung | 5–15 % | Ergänzend |
| Solaranlage / Photovoltaik | Variabel | Ergänzend |
Prozentwerte beziehen sich auf den Heizwärmebedarf des Gesamtgebäudes und sind stark vom individuellen Gebäudezustand abhängig.
In welcher Reihenfolge sollte saniert werden?
Die Reihenfolge der Maßnahmen ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. Die Faustregel lautet: erst die Hülle, dann die Technik.
Den Anfang machen Fassade, Dach und Keller. Durch eine gute Wärmedämmung sinkt der Heizwärmebedarf erheblich – was direkte Auswirkungen auf die notwendige Heizungsleistung hat. Fenster folgen sinnvollerweise danach, sobald die angrenzenden Bauteile gedämmt sind: Isolierte Fenster in ungedämmten Wänden entfalten nicht ihre volle Wirkung.
Erst wenn die Gebäudehülle steht, wird die Heizung modernisiert. Die neue Anlage wird dann auf den bereits reduzierten Wärmebedarf ausgelegt – kleiner, effizienter und günstiger dimensioniert als bei umgekehrter Reihenfolge. Den Abschluss bildet die Optimierung der Lüftung: Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung macht erst dann vollständig Sinn, wenn die Gebäudehülle luftdicht ist.
Tipp von Tobias Beuler: Viele Eigentümer tauschen die Heizung zuerst – weil sie defekt ist oder weil der Handwerker ohnehin im Haus ist. Das ist verständlich, aber oft teuer. Eine neue Heizung, die auf einen ungedämmten Altbau ausgelegt wird, ist nach der späteren Dämmung schlicht zu groß. Wer den iSFP vorher erstellt, kennt die richtige Dimensionierung – und spart sich eine teure Fehlinvestition.
Für wen lohnt sich ein Sanierungsfahrplan besonders?
Ein iSFP ist nicht für jede Situation gleich wertvoll. Besonders groß ist der Nutzen, wenn mehrere Sanierungsmaßnahmen in den nächsten Jahren geplant sind, das Gebäude älter und noch wenig saniert ist – oder wenn Fördermittel möglichst effizient eingesetzt werden sollen.
Eigentümer älterer Gebäude
Wer ein Haus aus den 1950er bis 1980er Jahren besitzt, hat in der Regel das größte Einsparpotenzial. Schlechte Dämmwerte, veraltete Fenster und fossil betriebene Heizsysteme machen diese Gebäude zu den Hauptprofiteuren einer strukturierten Sanierung. Der iSFP schafft Transparenz über Zustand, Potenziale und die sinnvolle Investitionsreihenfolge.
Käufer von Bestandsimmobilien
Wer eine ältere Immobilie kauft, kennt deren energetischen Zustand oft nur grob. Ein iSFP direkt nach dem Kauf gibt Planungssicherheit: Welche Maßnahmen sind nötig? Was ist in den nächsten fünf Jahren zu erwarten? Was kostet das? Dieser Überblick hilft nicht nur bei der Investitionsplanung, sondern auch bei Finanzierungsgesprächen mit der Bank.
Vermieter und Eigentümer von Mehrfamilienhäusern
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und die Klimaschutzziele der Bundesregierung erhöhen den Druck auf Vermieter, ihre Objekte energetisch zu modernisieren. Schlecht sanierte Gebäude verlieren an Marktwert und sind im Mietmarkt schwerer zu vermitteln. Mit einem iSFP lässt sich die Sanierungsstrategie langfristig planen und Fördermittel optimal einsetzen.
Eigentümer mit begrenztem Budget
Wer nicht alles auf einmal stemmen kann, profitiert besonders vom Etappenansatz des iSFP. Statt blind zu investieren, legt der Fahrplan fest, welche Maßnahme den größten Nutzen bringt – und welche später folgen kann, ohne die frühere zu entwerten.
Sanierungsfahrplan und gesetzliche Anforderungen (GEG)
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) stellt konkrete Anforderungen an den energetischen Zustand von Gebäuden – beim Neubau, bei Eigentümerwechsel und beim Austausch von Heizungsanlagen. Wer diese Anforderungen systematisch und kosteneffizient erfüllen will, kommt am iSFP kaum vorbei.
Ist ein Sanierungsfahrplan Pflicht?
Nein. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, einen individuellen Sanierungsfahrplan zu erstellen. Das GEG schreibt keine iSFP-Pflicht vor. Allerdings enthält es Anforderungen, die indirekt eine strukturierte Sanierungsplanung nahelegen:
Pflicht zur Dämmung der obersten Geschossdecke oder des Daches (§ 47 GEG) bei unbewohnten, zugänglichen Dachräumen
Anforderungen an Heizungsanlagen bei Einbau oder Austausch
Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien beim Neubau und zunehmend beim Bestand
Bei Eigentümerwechsel: Erfüllungspflichten für bestimmte Dämmmaßnahmen innerhalb von zwei Jahren
Was bedeutet das GEG für die Sanierungsplanung?
Ein iSFP ist damit zwar keine Pflicht, aber das sinnvollste Instrument, um GEG-Anforderungen kosteneffizient und in der richtigen Reihenfolge zu erfüllen. Wer ohne Fahrplan saniert, riskiert, Maßnahmen doppelt angehen zu müssen oder gesetzliche Mindeststandards zu verfehlen.
Wie finde ich einen qualifizierten Energieberater?
Nicht jeder, der sich als Energieberater bezeichnet, ist für die iSFP-Erstellung zugelassen. Für einen förderfähigen iSFP ist die Eintragung auf der Energieeffizienz-Expertenliste zwingend erforderlich – und damit der richtige Ausgangspunkt bei der Suche.
Wo und wie suchen?
Die Energieeffizienz-Expertenliste listet alle für die BEG zugelassenen Beraterinnen und Berater nach Postleitzahl und Fachbereich. Eine Suche unter dem Bereich „Wohngebäude – Energieberatung für Wohngebäude (EBW)“ liefert geeignete Ansprechpartner in der Nähe.
Worauf bei der Auswahl achten?
Eintragung auf der Energieeffizienz-Expertenliste (Pflichtvoraussetzung für Förderung)
Erfahrung mit dem jeweiligen Gebäudetyp (Einfamilienhaus, Altbau, Fachwerkgebäude)
Transparente Kostenangaben vor Beratungsbeginn
Nachvollziehbare Referenzen oder Bewertungen
Die Energieberatung der Verbraucherzentralen bietet einen niedrigschwelligen Einstieg, um erste Informationen zu erhalten und die Auswahl eines geeigneten Experten vorzubereiten.
So setzen Sie Ihren Sanierungsfahrplan um
Der iSFP ist der Startpunkt – aber erst die konsequente Umsetzung der Maßnahmen bringt den eigentlichen Nutzen. Die Abfolge beginnt mit der Beauftragung eines Energieberaters und der Erstellung des iSFP, der die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen legt. Direkt im Anschluss wird die BAFA-Förderung für die Energieberatung beantragt – der Antrag geht nach Abschluss der Beratung ein und wird in der Regel innerhalb weniger Wochen bewilligt.
Auf Basis des Fahrplans werden dann Prioritäten festgelegt und das Budget geplant: orientiert an Einsparpotenzial, Dringlichkeit und verfügbaren Mitteln. Bevor eine Einzelmaßnahme beauftragt wird, muss der BEG-EM-Antrag beim BAFA eingereicht sein – die Reihenfolge ist zwingend: erst Antrag, dann Auftragsvergabe. Mit gültigem iSFP greift dabei automatisch der iSFP-Bonus.
Die Umsetzung erfolgt durch qualifizierte Fachbetriebe; Eigenleistungen sind bei geförderten Gewerken nicht förderfähig. Nach Abschluss der Maßnahme werden Rechnungen und Nachweise beim Fördergeber eingereicht, der Zuschuss wird anschließend ausgezahlt. Heizkostenabrechnungen in den Folgejahren zeigen, ob die erwarteten Einsparungen eingetreten sind – und der iSFP begleitet mit seiner 15-jährigen Gültigkeit alle weiteren Sanierungsschritte.
Fazit
Der individuelle Sanierungsfahrplan ist weit mehr als ein Beratungsdokument – er ist das zentrale Steuerungsinstrument für eine wirtschaftliche, strukturierte und förderwirksame energetische Sanierung. Für Eigentümer älterer Gebäude, die schrittweise modernisieren wollen, gibt es kaum ein sinnvolleres erstes Investment.
Die Kombination aus BAFA-Förderung für die Erstellung und dem iSFP-Bonus bei den späteren Einzelmaßnahmen sorgt dafür, dass sich die Kosten des Fahrplans in der Praxis schnell amortisieren. Wer zudem die Anforderungen des GEG kosteneffizient erfüllen und Fehlinvestitionen vermeiden will, kommt am iSFP nicht vorbei.
Der richtige Zeitpunkt für die Erstellung ist jetzt – vor der nächsten Maßnahme, nicht danach.
FAQ – Häufige Fragen zum Sanierungsfahrplan
Für ein Einfamilienhaus sind Gesamtkosten zwischen 1.000 und 1.600 Euro realistisch. Nach BAFA-Förderung von bis zu 80 Prozent – maximal 1.300 Euro – verbleibt häufig ein Eigenanteil von 300 bis 500 Euro. Dieser Betrag ist durch den iSFP-Bonus bereits bei der ersten geförderten Einzelmaßnahme mehr als refinanziert.
Ein iSFP ist 15 Jahre gültig. Innerhalb dieses Zeitraums kann der iSFP-Bonus bei jeder förderfähigen Einzelmaßnahme in Anspruch genommen werden, sofern der Fahrplan im Förderantrag angegeben wird.
Nein. Einen förderfähigen iSFP dürfen ausschließlich zertifizierte Energieberaterinnen und Energieberater erstellen, die auf der Energieeffizienz-Expertenliste eingetragen sind. Selbst erstellte Dokumente werden weder von der BAFA anerkannt noch lösen sie den iSFP-Bonus aus.
Die BAFA fördert die Erstellung im Rahmen der Energieberatung für Wohngebäude (BEW) mit bis zu 80 Prozent der Beratungskosten. Für Ein- und Zweifamilienhäuser liegt der maximale Zuschuss bei 1.300 Euro, für Gebäude ab drei Wohneinheiten bei 1.700 Euro. Die Förderbedingungen können sich ändern – aktuelle Konditionen sind beim BAFA abzufragen.
Ja. Der iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten gilt auch beim Heizungstausch über die BEG Einzelmaßnahmen. Da die förderfähigen Investitionskosten beim Heizungstausch vergleichsweise hoch ausfallen können, ist der Bonus hier besonders wertvoll.
Bei Gebäuden, die bereits vollständig oder weitgehend saniert sind und einen aktuellen Effizienzstandard erreichen, bringt ein iSFP kaum zusätzlichen Erkenntnisgewinn. Auch wenn ausschließlich eine einzige kurzfristige Maßnahme geplant ist und keine weiteren Schritte folgen sollen, ist der Aufwand möglicherweise nicht gerechtfertigt – wobei der iSFP-Bonus selbst in solchen Fällen wirtschaftlich interessant sein kann.
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Autor
Technisch ausgebildet von der HWK, kaufmännisch ausgebildet von der IHK und weitergebildet im WBZ der Universität St. Gallen sowie vom Bundesverband deutscher Fertigbau, begleitet Tobias Beuler seit 2000 europaweit den Auf- und Ausbau von Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern. Nachdem er jahrelang selbst auf Baustellen tätig war, bietet er sein Insiderwissen seit 2018 an, um Andere bei Ihren Hausbau- und Sanierungsprojekten zu unterstützen und ist in TV und Print als Bauexperte bekannt. (ARD, RTL Punkt 12, n-tv, SZ, Welt, Süddeutsche) Mit seinem Büchern war er mehrfach auf der Spiegel Bestseller Liste. Sein aktuelles Buch „Sanieren – Renovieren – Modernisieren“ gibt über 100 Tipps für die Bauherren, die mit hoher Qualität und zum besten Preis-Leistungsverhältnis sanieren wollen. Sein Team und er prüfen deutschlandweit Immobilien, die saniert werden müssen.